Marcel WinatschekPhilosophische Texte über Gestaltung, Informatik und digitale Populärkultur
Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt
© Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé

Summer WarsEine Familie rettet die Welt

Wer japanische Ghibli-Filme nicht gut findet, der hat kein Herz. Der bindet süße Hundewelpen an einen dornigen Stock und zieht sie dann durch flüssigen Teer, nur um sich daran zu ergötzen, wie kleine Kinder deswegen schluchzen und weinen. Der sagt zu kostenlosen Waffeln mit Puderzucker Nein. Der träumt von einer Welt ohne bunte Farben. Ohne entblößte Brüste. Ohne Liebe, Frieden, Glitter.

Um mir so oft wie möglich die japanische Sprache zu geben, um mich schon bald als Herr Sakimoto auf das japanische Festland schmuggeln zu können, hole ich zur Zeit alle alten Anime, Filme und Serien aus dem fernen, fernen Osten nach. Weil ich mir einrede, dass mir das irgendwie weiterhilft. Das stimmt natürlich nicht. Aber ich höre Leute gerne "Kawaii", "Sugoi" und "Oiishi" sagen. Und selbstverständlich auch “Watashi no mune o mite!”

Am Wochenende haben wir uns Summer Wars gegeben. Eine Geschichte über eine Art Facebook und eine Großfamilie und einen kleinen Loser und das hübscheste Mädchen der Schule und wie die zusammenkommen und einen bösen Computervirus und Atomkraftwerke und einen perversen Onkel und ganz viel Essen und Mathematik und Tokio und Baseball und Brettspiele und coole Omas und Nasenbluten.

Worum geht's? In der nahen Zukunft hat die Erschaffung der virtuellen Stadt OZ jedem ermöglicht, von überall und jederzeit auf das Internet zuzugreifen. Die Benutzer steuern ihre Avatare in OZ, um einzukaufen, ihre Rechnungen zu bezahlen und Spaß zu haben. Kenji, ein normaler Oberschüler, verbringt seine Sommerferien damit, als Teilzeitkraft zu arbeiten und das OZ-System zu warten.

Doch dann lädt ihn das Mädchen seiner Träume, Natuski, ein, sie zurück nach Nagano, ihrer Heimatstadt, zu begleiten. Als sie dort ankommen, ist Kenji verwirrt, als Natsuki ihn bittet, so zu tun, als sei er ihr Verlobter, damit sie ihre alte Großmutter glücklich machen kann.

In seiner ersten Nacht in Nagano erhält Kenji eine Email mit einem seltsamen mathematischen Rätsel von einem mysteriösen Absender. Kenji, ein Mathegenie, ist fasziniert von diesem Rätsel, und als er schließlich die Antwort löst, verändert er damit schalgartig die Welt.

Am nächsten Morgen wird in den Fernsehnachrichten über die Geschichte eines gesetzlosen Avatar in OZ berichtet. Kenji ist erstaunt zu sehen, dass es sein eigener Avatar ist. Der unschuldige Kenji wird als OZ-Verbrecher beschimpft, und bevor er weiß, was geschieht, ist er in einen Kampf verwickelt, bei dem das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht.

"Die ganze Familie wird daran arbeiten, jedes Problem zu lösen, das wir selbst verursacht haben!" Natsukis Großmutter gibt den Befehl, und Kenji, Natsuki und Natsukis Verwandte tun sich zusammen, um zu versuchen, die Welt zu retten.

Man könnte fast glauben, Summer Wars wäre direkt aus einem DVD-Haufen Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzessin Mononoke und Das wandelnde Schloss entstanden, aber er stammt weder von Hayao Miyazaki noch von Studio Ghibli, sondern von Mamoru Hosoda und Madhouse, die ihr womöglich von Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Sakura Wars oder Tokyo Godfathers her kennt. Womöglich.

Was ich damit sagen will: Wer, wie wir, eine gar nicht peinliche, sondern verdammt stolze Sailor Moon-Vergangenheit hat, früher gerne Dragon Ball guckte und dem auch Streifen wie Neon Genesis Evangelion oder Plastic Little ein Begriff sind, der sollte Summer Wars eine Chance geben. Er ist großartig. Und wir haben am Ende fast geweint. Und die drei kleinen Arschlochkinder sind die Besten. Und sowieso.

Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt© Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé

Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt© Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé

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Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt© Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé

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Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt© Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé

Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt© Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé

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