Marcel WinatschekPhilosophische Texte über Gestaltung, Informatik und digitale Populärkultur
Geschwister? Nein, danke! Ich bin ein verzogenes Einzelkind
© Anna Golde und Icons8

Geschwister? Nein, danke!Ich bin ein verzogenes Einzelkind

Ich bin ein verzogenes Einzelkind. Ohne Anstand, Respekt oder Nachsicht. Während meine Freunde alles mit ihren älteren Brüdern und jüngeren Schwestern teilen mussten, konnte ich die Kekse alleine aufessen, Mario alleine ins Rennen gegen Bowser schicken und alleine ein Zimmer für mich besetzen. Teilen war für mich ein Fremdwort, das Gefühl einer geschwisterlichen Bindung aber auch.

Wie gerne hätte ich abends einmal einen kleinen Neben-Marcel gehabt, mit dem ich mich durch das Fernsehprogramm einer anderen Generation hätte zappen können. Eine größere Aufpasserin, die mich vor den Gefahren der Straße beschützt, und der wirklich etwas an mir gelegen hätte. Oder eine ganze Horde voller ähnlicher DNA-Partner, die mich beschäftigen, prügeln, umarmen, lehren, füttern, ändern, zurück halten, auslachen, stärken, loben und zum Weinen hätten bringen können.

Den Fluch der Geschwister konnte ich nie erleben und des Öfteren stellt sich tief in mir die Frage, ob ich dadurch sehr viel verpasst habe. Oder eben nicht. Wie sehr haben euch denn eure Geschwister geprägt oder hättet ihr gut und gerne ohne sie auskommen können? Sind sie nervig, wichtig oder halt einfach da? Teilt mit uns eure Erfahrungen und Geschichten mit euren Brüdern und Schwestern oder seid ihr sogar ganz froh, ebenfalls ein Einzelkind zu sein? Fluch oder Segen, das ist hier die Frage.

Kommentar schreiben