Marcel WinatschekPhilosophische Texte über Gestaltung, Informatik und digitale Populärkultur
Mädchen mit Schamhaaren: Du hast da eine Katze zwischen den Beinen
© Dimension Films

Mädchen mit SchamhaarenDu hast da eine Katze zwischen den Beinen

Als ich Theresa nach jeder Menge Rotwein und lockeren Gesprächen über ihren verunglückten Bruder und die leckere Lasagne ihrer Mitbewohnerin die Hose öffne und zwischen die Beine fahre, da spüre ich meine rechte Hand in einem Dickicht aus Schamhaaren versinken. Gekräuselt, widerspenstig, buschig. Jahrelang scheint sich hierher kein Rasierer mehr verirrt zu haben. Und ich finde es geil.

War das Entfernen des Biberfells früher noch ein nötiges Übel, um sich gegen Läuse und andere Parasiten zur Wehr zu setzen, so verbirgt sich dahinter heute ein gesellschaftlich mehr als angesagter Zwang unter dem Deckmantel des modernen Schönheitsideals.

Wer als Mädchen sexy, jung und begehrenswert wirken möchte, der rasiert und wachst und zupft sich am besten alles aus, was Mutter Natur in der Pubertät so her gibt. Glatt muss die Muschi von heute sein. Ohne Pusteln oder Stoppeln.

Auch bei den Männern dieser Welt scheint sich der Trend zur kompletten Körperenthaarung durchgesetzt zu haben – und das nicht nur bei Leistungsschwimmern oder Radfahrprofis. Wenn der Busch erst einmal weg ist, soll das Ding dazwischen ja eh viel größer wirken. Ein athletischer Körper ist haarlos, der Sack rasiert, Komplikationen für Frauenmünder ausgeschlossen.

Während ich Theresa so breitbeinig vor mir liegen sehe, stelle ich mir vor, wie sie wohl haarlos aussehen würde. Und ich kann es nicht. Die Katze zwischen ihren Schenkeln passt zu ihr. Sie macht sie zu einer begehrenswerten Frau. Und ich habe seit langer Zeit mal wieder nicht das Gefühl, ein Kinderficker zu sein, weil ich sonst nur auf ebenen Genitalien herumrutsche.

Dieser Rasier- und Wachszwang ist doch scheiße. Dass zwölfjährige Mädchen Panikattacken bekommen, weil ihnen plötzlich Haare an den entlegensten Körperteilen wachsen und sie Angst davor haben, von ihren Klassenkameraden dafür gehänselt zu werden, ist einfach nur traurig. Dass Jungs und Männer großmäulig darüber schwadronieren, nur arschglatte Elfenmuschis zu vögeln ebenfalls.

Es ist Morgen. Als Theresa aus dem Bett steigt und sich anzieht, spreche ich sie auf ihre üppige Schambehaarung an. "Dein Arsch ist doch auch nicht rasiert", ist ihre knappe Antwort, bevor sie unter die Dusche springt. Ich nicke. Klingt logisch. Während ich sie zur U-Bahn bringe, pople ich mir noch ein paar ihrer dunkelbraunen Haardrähte aus den Zähnen. Sie verschwindet mit einem verschmitzten Lächeln aus meinem Leben und ich denke mir nur: Was für eine Frau!

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