Marcel WinatschekPhilosophische Texte über Gestaltung, Informatik und digitale Populärkultur
Nichts: Die unendliche Leere
© Kelly Sikkema

NichtsDie unendliche Leere

Ich sitze also in diesem riesigen Raum voller hart arbeitender Leute und versuchen einen Blog am Laufen zu halten. Das ist toll, das ist großartig, das macht gute Laune. Meistens jedenfalls. Denn trotz all der parallel im Blickfeld agierenden Google-Kalender und Schreibblöcke und Fundstück-Tabs, kann es leider immer wieder vorkommen, dass die große Masse Internet nichts her gibt, was vorstellungswert wäre. Dann sitze ich auf dem Trockenen. Und das Geheule ist groß.

Die Uhr sitzt mir im Nacken, die Hektik ist groß. Schnell: Geile Themen!! Frische, qualitativ hochwertige Musikvideos voll gepackt mit Underground und Indie, vielleicht ein bisschen Mainstream? Fehlanzeige. Dann eine tolle Fotoserie, inklusive Titten, Tiere und Talente? Nichts gefunden. Brandaktuelle News, die weder zu BILD, noch Financial Times sind, und die Welt, in der wir leben bereichern, diskutiert, in einem Licht erstrahlen lässt? Öhm… nö.

Scheißt auf gutes Wetter, niedrige Strahlenbelastung oder verliebte Gefühle. Denn es ist erstaunlich, wie sehr meine gute Laune davon abhängt, ob dieses Medium konsequent am Laufen bleibt. Diese Maschine, die nur mit einem gefüttert werden möchte: Digitalem Input. Und wie unglaublich radikal sich alles in mir in einen brodelnden Kessel aus Hass verwandelt, wenn ich das nicht schaffe.

Dabei denke ich natürlich nur an euch: Den Leser. Der wie ein ewig hungriges Küken in seinem aus Facebook und Twitter gebasteltem Nest sitzt und konsequent nach Neuem schreit. Nackte Haut, provokante News, persönlicher Scheiß. Die gute Mischung, Mal hier, mal da. Immer überraschend bleiben. Und knackig. Und sowieso. Denn ich will ja nicht irgendwas raushauen.

Während wir also Billy, die Büropflanze, zerschmetternd an die Wand werfen und opfernd gen Himmel beten, dass mein Feedreader laut brüllen “Hiiier!! Theeema!! Geilo!!!” oder ein Bote mit der Raubkopie von Osamas Todesfoto herein rennt, fange ich langsam an zu begreifen: Das Internet ist leer. Mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Und brennende Papierflugzeuge aus dem Fenster segeln zu lassen...

Kommentar schreiben