Marcel WinatschekPhilosophische Texte über Gestaltung, Informatik und digitale Populärkultur
Sommersprossen: Du hast da Sterne im Gesicht
© Raj Rana

SommersprossenDu hast da Sterne im Gesicht

173 Sommersprossen hatte Jule im Gesicht. Exakt nachgezählt. Ich konnte meine Augen, meine Gedanken und die Fingerkuppen nicht von ihr lassen, stocherte fast schon penetrant an ihrem runden Kopf herum. "Du hast da Sterne im Gesicht”, flüsterte ich ihr entgegen.

Sie lächelte gütig, drückte meine Hand mit einem Kuss bewusst zur Seite und spazierte dann nur mit einem Haarreif bekleidet in die Küche, um sich einen Toast mit Marmelade zu machen. Womöglich war ich in diesem Moment wirklich glücklich.

Denn was ich noch für viel aufregender als das langweilige Idealbild von der groß gewachsenen Blondine oder der mit Schönheitsflecken überhäuften Brünetten inklusive aufgetunter, fast schon eckiger Hupen empfinde, sind diese kleinen Schätze im Antlitz sonnig strahlender Weiblichkeiten, die mich immer wie einen kleinen Hosenscheißer vor mich hin kichern lassen. Ich liebe sie. Wie kleine Märchen mit eigenen, unerforschten Geschichten sind die.

Und wehe dem, der Sommerflecken als kosmetisch störende Pigmentablagerungen beschimpft, Mädchen dieser Welt einredet sich wegen ihrer zu schämen oder Frauen gar dazu bringt sie sich medizinisch entfernen zu lassen!

Lasst uns also anstoßen auf die vielen kleine Lichtpunkte, die die Körper der schönsten Menschen überhaupt zahlreich bewohnen und freuen wir uns, dass Geschöpfe wie Jule ihre sogar stolz auf der linken Pobacke tragen – auch wenn das leider nicht jeder zu Gesicht bekommt.

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