Marcel WinatschekPhilosophische Texte über Gestaltung, Informatik und digitale Populärkultur
Hairy Pits Club: Der Club der haarigen Mädchen
© Billie

Hairy Pits ClubDer Club der haarigen Mädchen

Wenn man erst einmal sein halbes Leben im Netz verbracht hat und denMeine erste richtige Freundin war vierzehn, blond und hatte mehr Haare unter ihren Armen, als dein Vater zwischen den Beinen. Nina war keine dieser Klischee-Feministinnen oder wollte damit ein Zeichen gegen die Abholzung des Regenwalds setzen. Nein. Sie hätte auch genügend Geld für Rasierer plus Schaum gehabt – sie wusste es nur einfach nicht besser.

In dem knappen Jahr, in dem wir die Liebe so sehr teilten, wie man eine naive Jugendliebe eben teilen kann, tastete ich mich Woche für Woche zu ihren geheimen Zonen vor. Im Freibad, in ihrem Zimmer, auf dem Schreibtisch ihres alkoholabhängigen Vaters. "Welcome to the Jungle" hätte ich meine Mission wohl genannt, wenn diese Worte kurz vor dem Millennium ein handfester Begriff gewesen wären.

Ich liebte es, in ihre in einem Trapez angelegten Haarbüschel zu beißen, benannte sie liebevoll nach den Teletubbies. Dipsy hieß der Flaum an ihrer Oberlippe, die anderen wechselte ich nach Herzenslust durch. Als wir an einem lauen Frühlingsabend Schluss machten, weil sie mit ihrem Cousin schlief, hielt gerade der Rasierwahn in die Köpfe der Stadtmädchen Einzug. Ninas Achselhaare starben noch in dieser Nacht.

Wenn ich heute mit einem Glas Spätburgunder vor YouPorn sitze und all die glatt rasierten Körper betrachte, die da vor mir mehr oder minder in Ekstase umher wippen, dann umgibt mich eine unerklärliche Melancholie, Gedanken von im Wind wehenden Zotteln durchstreifen mein inneres Auge. Wahrscheinlich wusste Nina nicht einmal, wie sehr ich ihre Pubertät verehrte. Mich einen kranken Teenager zu nennen, würde die allgemeine Bedeutung des Wortes Untertreibung geradewegs penetrieren.

Doch nicht alle weiblichen Wesen scheinen dem Beseitigungswahn ihrer natürlichen Abwehrkräfte wohlgesonnen zu sein. Im Hairy Pits Club frönen sie ihrer Lust am Wachstum. Sie messen ihre Achselhaare, frisieren sie, färben sie. Und freuen sich dann wie Wumme über würdige Jubiläen. Dass die meisten von ihnen eher sexuellen Gefallen an ihrem eigenen Geschlecht finden, sei zwar einmal dahin gestellt, aber es ist trotzdem schön zu sehen, dass der von Gillette und Wilkinson geführte Konsumkrieg gegen Gottes Schöpfungen noch nicht ganz gewonnen ist.

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