Meine einzige Konstante
Die Fragen, die mich am meisten bei der Gestaltung dieser Webseite beschäftigen, sind: Wer bin ich? Was will ich? Und was hat das Ganze überhaupt für einen Sinn? Die Antworten auf diese egoistisch motivierten Sinnkrisen sind nicht leicht zu finden, weil sie sich je nach Gefühls- und Stimmungslage ändern und sich als Fallen entpuppen, wenn ich sie dann doch endlich einmal in eine metaphorische Ecke gedrängt und fast schon flehend um Gnade und die daraus folgende Erleuchtung bitte.
Dann versuche ich mich daran zu erinnern, warum ich mit dem Bloggen überhaupt angefangen habe. Wollte ich mich wichtig machen? Mich mit anderen austauschen? Der Welt da draußen beweisen, dass es mich gab? Fehlte es mir einfach nach Alternativen, weil es kurz nach der Jahrtausendwende weder YouTube noch Podcasts gab und das geschriebene Wort eines der wenigen Mittel war, um meine Gedanken, Gefühle und Meinungen nach draußen zu tragen?
Wahrscheinlich basiert meine Liebe zum Bloggen auf der Tatsache, dass ich schon als Kind gerne Bücher gelesen und mir dadurch einen recht umfangreichen Wortschaft angeeignet habe, den ich gerne irgendwie mit meinen eigenen Geschichten garniert wiedergeben wollte. Dieses Vorhaben wurde zwar kaum von meinen Lehrern beachtet oder gar geschätzt, aber dafür von Menschen aus meinem näheren Umfeld, die wissen wollten, ob und was ich über sie zum Besten gab.
Wahrscheinlich beruht meine Liebe zum Texte publizieren im Internet auf dem Wissen, oder zumindest der verzweifelten Hoffnung, dass Menschen, die ich kannte, sie lasen. Freunde, die ich verletzt hatte. Bekannte, die ich länger nicht gesehen hatte. Mädchen, in die ich verliebt war. Durch meinen Blog konnte ich meine Gefühle zu ihnen in häufig sehr peinliche Texte verwandeln, ohne sie direkt an sie richten zu müssen.
Vielleicht war diese Herangehensweise etwas feige und womöglich kamen meine von Herz- und Weltschmerz durchdrungenen Worte nie bei denen an, für deren Augen sie eigentlich gedacht waren, aber zumindest hatte ich mir dadurch eine kreative Insel geschaffen, auf der ich tun und lassen konnte, was ich wollte. Und das war nicht nur unfassbar befreiend, sondern entwickelte sich mehr und mehr zu einem wichtigen Teil meines Lebens.
An vielen Punkten auf meinem Weg konnte ich erst wieder nach Glück streben, wenn ich diverse Gedankenspiralen aus meinem Kopf gezogen und auf digitales Papier geschleudert habe, nur um sie anschließend in die große, weite Welt hinauszuposaunen. Das namenlose Gefühl beim Klick auf “Veröffentlichen” war irgendwo zwischen Katharsis und Orgasmus angesiedelt. Je persönlicher, ehrlicher und emotional nackter die Texte waren, desto größer die Erleichterung. Ich bin erst glücklich, wenn meine Texte die Welt veränderten—zumindest die, in der ich zuhause bin.
Über die vergangenen Dekaden hinweg hat mein Blog sich zu einem Tagebuch entwickelt, deren intimen Texte unter einem Berg von aufmerksamkeitsgeilem, heute vollkommen wertlosem Schund begraben sind. Manchmal entdecke ich einen von ihnen und finde es dann ein wenig schade, dass er nicht mehr Teil dieser großen, weiten Welt ist, sondern ausradiert zu sein scheint. Aber vielleicht kann ich das ja wieder rückgängig machen.
Die Fragen, die mich am meisten bei der Gestaltung dieser Webseite beschäftigen, sind: Wer bin ich? Was will ich? Und was hat das Ganze überhaupt für einen Sinn? Die Antworten auf diese egoistisch motivierten Sinnkrisen habe ich noch immer nicht gefunden, aber zumindest bin ich ihnen durch zahllose psychologisch fragwürdigen Selbstreflexionen auf die Spur gekommen—zumindest hoffe ich das.
Es ist schwierig für mich, den Grat zwischen introvertierter Eigenbrötlerei und extrovertierter Selbstdarstellung zu finden. Das eine Extrem wäre ein in einen Tresor eingeschlossenes Tagebuch, in das ich all meine Gedanken in Geheimzeichen hineinschreibe, und das andere ein OnlyFans-Account, in dem ich nicht nur mich selbst, sondern auch meine Geheimzahlen wie Passwörter entblöße. Mittelwege sind für mich schwer zu verfolgen.
Um etwas zu gestalten und generell so fertig zu stellen, dass ich es mit Inhalten füllen kann, muss ich den Sinn eines Projekts erst einmal auf das Wesentliche herunter brechen. Und an diesem so einfach klingenden, aber unfassbar komplizierten Vorhaben habe ich mir manisch die Zähne ausgebissen. Schließlich soll diese Webseite mich und meine Gedanken repräsentieren. Und um das zu schaffen, musste ich erst einmal herausfinden, wer ich eigentlich war—oder zumindest, wer ich nicht (mehr) war.
Ich möchte diese Webseite nun als persönliches Notizbuch betrachten, in das ich Texte aus den Bereichen Kunst, Musik, Bücher, Technologie, Filme, Mode, Reisen, Spiele, Essen und meinem Leben im Allgemeinen eintragen kann. Wichtig ist mir dabei, dass sie allesamt mit mir, meinen Gedanken, meinen Erfahrungen, meinen Gefühlen, meinen Träumen, meinen Ängsten, meinen Hoffnungen und meiner Meinung zu tun haben müssen, weil sie sonst wertlos sind.
Dieser Blog, und alles, was ich dafür entfernt, verbrannt und zerstört habe, soll mir dabei helfen, herauszufinden, wer ich bin, was ich will und was das Ganze überhaupt für einen Sinn hat. Womöglich muss ich mir (wieder) bewusst werden, dass diese Webseite nicht nur der Dreh- und Angelpunkt, sondern auch die einzige Konstante in meinem sonst so chaotischen Leben ist. Doch dies kann nur gelingen, wenn sie (wieder) ein Teil davon wird.
Donnerstag, 18. Juni 2026